GELUNGENE PREMIERE EINES NEUEN WETTBEWERBSKONZEPTS
Germany’s Finest Rider
Artikel von Petra Kleinwegen
Um was geht es? Was ist feines Reiten? Mehr denn je ist dieses Thema brandaktuell. Selbst bei einer Beschränkung auf das Westernreiten kommt man so schnell auf keinen Konsens. Allein eine grundlegende Definition ist schon ein Problem für sich. Kann man sich beispielsweise auf „unsichtbare Hilfengebung“ als Kriterium einigen? Wieviel der „lässigen Eleganz“ im Show Ring ist auf feines Reiten zurückzuführen, wieviel auf klug dosierten Zwang, der das feine Reiten zur bloßen Optik degradiert? Zudem messen die einen feines Reiten am Erfolg im Show Ring, die anderen sehen den Eingang zur Arena als den definitiven Grenzpunkt, ab dem kein feines Reiten mehr möglich sei.
Und früher war ja alles besser… War es das? Was war denn früher? Allein die Endlosdiskussionen um den sogenannten Californio-Stil sprechen eine beredte Sprache in Sachen Wunschdenken und Wirklichkeit. Die praktischen Umsetzungen von den bis ins letzte Detail theoretisch durchdiskutierten Vorstellungen von dieser Reitweise bekommt man kaum mal zu Gesicht, denn auf Turnieren gilt dieser Stil als nicht gefragt.
Immer häufiger wird auch für den texanischen Reitstil der Blick in die Vergangenheit glorifiziert. Im Vergleich zu den vielen Pferden, die heute mit extrem tief eingestellten Köpfen laufen, erscheinen vielen die hohen Köpfe der Vergangenheit als ein besserer Zustand. Gern wird das festgemacht an Beispielen wie „Trainer XYZ früher und heute“ – die einen sehen generell eine fortschrittliche Entwicklung zum rittigeren, eleganteren Pferd, die anderen zunehmende Mechanisierung und Versklavung.
Schlussendlich zieht sich quer durch alle Sparten und Disziplinen vom Freizeitreiter bis zum Turnierprofi die Frage, wieviel Reiten und wieviel Einwirkung auf das Pferd überhaupt notwendig oder wünschenswert ist. Die Bandbreite der Antworten reicht von maximal möglicher Härte und brutaler Rücksichtslosigkeit im Training, um ein optimales Funktionieren im Show Ring zu garantieren, bis hin zu völligem Minimalismus in Form von weitestgehender Passivität im Sattel und der Unterordnung des reiterlichen Willens unter die Befindlichkeit des Pferdes.
All die Vertreter der verschiedenen Ansätze nehmen für sich die Kunst des feinen Reitens in Anspruch. Und meinen damit jeweils etwas völlig anderes.
Während die tatsächlichen Ausbildungsmethoden meist für die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar sind, lässt sich doch ein Teil des jeweiligen Konzeptes bereits beim Abreiten vor einer Prüfung erkennen. Auch hier präsentiert sich dem interessierten Beobachter eine beachtliche Bandbreite von Reitern, die ihre Pferde vor dem Start lediglich aufwärmen, bis zu denen, die sich so nachdrücklich des Gehorsames ihrer Pferde versichern, wie es irgend machbar ist. Was auf den Abreiteplätzen vielfach zu beobachten ist, kann kein wirklicher Pferdeliebhaber gutheißen.
Nicht zuletzt bringt der moderne Turniersport Spezialisten hervor, die ihre Pferde auf ganz begrenzte Dinge abrichten, wozu ihnen nicht selten jedes Mittel recht ist. Das hat oft nicht mehr viel mit eigentlichem Reiten zu tun – mit gutem, mit feinem Reiten hat es sicher gar nichts zu tun.
Auch das Westernreiten kann sich also schon lange nicht mehr der Diskussion entziehen, wo die Reitkunst eigentlich steht, und neben der Diskussion um die Methoden, wie man zu einem gut gerittenen Pferd kommt, macht sich zunehmende Ratlosigkeit breit, woran man ein gut gerittenes Westernpferd denn nun erkennen kann. Gibt es überhaupt eine verbindliche Messlatte dafür, und wenn ja, wie sieht sie aus?
Die Idee
Mit all diesen Gedanken im Kopf hat WESTERN HORSE das Event „Germany’s Finest Rider“ kreiert, um dem Turniergeschehen von heute etwas entgegenzusetzen, das die reiterlichen Ideale fördern soll. Am 22. Oktober 2011 hatte das Event seine Premiere auf der Anlage des Reiterhofs Hegemann im bei Hagen gelegenen Wiblingwerde. Jeder Teilnehmer war aufgefordert, eine Kür zu reiten, die eine festgelegte Anzahl aus einer Liste von Übungen enthalten sollte. Der Schwerpunkt sollte dabei auf Harmonie, unsichtbare Hilfengebung und freudiges Mitmachen des Pferdes liegen.
Die Bewertung richtete sich in erster Linie auf die Präsentation der Kür. Dabei wurde der Schwierigkeitsgrad, in dem die jeweils gerittenen Übungen vorgestellt wurden, der sauberen Ausführung untergeordnet. Das verlangte vom Reiter eine realistische Einschätzung des Ausbildungsstandes des Pferdes, und das Gespür für eine altersgerechte Präsentation. Zusätzlich sollte auch das Abreiten unter den Augen der Richter und des Publikums stattfinden und mit in die Bewertung einfließen. Um das realisieren zu können, wurden die Teilnehmer in kleine Gruppen aufgeteilt, die jeweils eine gute halbe Stunde Zeit zum Abreiten hatten. Danach warteten diese Teilnehmer in einem abgetrennten Bereich der Bahn auf ihren Start.
Eine weitere Besonderheit war die Einbeziehung des Publikums in die Bewertung. Bei den drei Besten von den Richtern platzierten sollte es einen Applaus-Check geben, der den Ausschlag geben sollte, wenn die Bewertungen durch die Richter eng beieinanderliegen lagen. Diese Option wurde dann auch tatsächlich genutzt, ebenso wie bei einen Tie um den vierten Platz für die endgültige Reihenfolge der Platzierung.
Den gesamten Artikel finden Sie in WESTERN HORSE 12






