Eingestellt im Januar 2012

CRIOLLOS I ITALIEN

Die Wirtschaftskrise, ein drohender Staatsbankrott und sintflutartige Regenfälle konnten der Fieracavalli in Verona nichts anhaben. Die italienische Traditionsmesse für Pferdezucht und Sport ging zum 113. Mal über die Bühne. In Verona wird kein braves Zirkusreiten oder kommerzielles Ausstellerwesen propagiert, sondern ein Feuerwerk an hippologischen Gusto-stücken abgebrannt. Alle traditionellen Rassen des „Stiefels“ sind vorhanden, in teils prächtigen Schaunummern vorgeführt. Unzählige, immer fetzige Show-Einlagen in mindestens vier Reithallen zugleich werden quasi ganztägig gezeigt.

Interessant mag sein, dass die Arbeit an Rinderherden in Italien keineswegs ausgestorben, sondern integraler Bestandteil der Lebensweise der Butteri ist, der Hirten der Maremma. Zu recht bezeichnen sich die Butteri als europäische Cowboys. Auch die sehr populären Westernrassen waren stark präsent und zeigten sich in sportlichen Wettbewerben und vielfältigen Schaunummern. Es gab Team Penning, Pole Bending und Reining, wobei sich in der Zahl und dem Enthusiasmus der Teilnehmer und Aussteller zeigte, wie stark sich Italien mit dieser Reitweise identifiziert.

Besonders die südamerikanischen Criollos waren stark vertreten, denn die klassischen Zuchtländer Argentinien und Urugu­ay betreiben seit einigen Jahren eine medi­ale Offensive, um ihre Pferdezuchten und den Tourismus in Europa besser bekannt zu machen. Beide Länder hatten daher großzügige Stände, aber auch gute Pferde und kompetente Repräsentan­ten mitgebracht. Ungefähr 30 Criollos waren auf der Messe, wovon ca. 20 an Klassen wie Morfología (Halter), Barrel Race und Team Penning teilnahmen. Drei deutsche Teilnehmer schlugen sich achtbar.

Als wichtigster wirtschaftlicher Erfolg sind zwei Ereignisse zu vermelden: Zum einen die Einführung des Gefriersamen-Versands in die ganze EU von Modena (Italien) aus. Die uruguayische Firma Coubrough bietet einen technisch perfekten Service in Kooperation mit EU-Besamungsstationen: Samen von 16 ausgewählten Hengsten aus ganz Südamerika und zudem eine No-Foal-no-Fee-Garantie. Damit rückt die EU züchterisch näher an die Ursprungsländer und kann sich einiger der besten Hengste von dort bedienen. Das nahm ein in Verona anwesender deutscher Züchter sofort an und bestellte noch an Ort und Stelle Sa­men für fünf Bedeckungen. Ein zweiter Erfolg war der Ankauf von 80 reinrassigen Stuten (!) durch einen italienischen Geschäftsmann, der quasi im selben Atemzug eine 2000-Hektar-Ranch „bestellte“. Wie der anwesende Vertreter des Tourismusministeriums Uruguays betonte, sind dort Farmen jeder Größe und Zweithäuser extrem billig und bei ausländischen Investoren beliebt.

Italien war am Criollo-Sektor nicht immer unumstritten, kamen doch alle südamerikanischen Ranchpferde bis vor ca. einem Jahr als Schlachttiere unter zweifelhaften Bedingungen per Schiff dorthin. Von dort gingen die besseren Exemplare an sämtliche europäischen Händler, die sie z. T. als „echte Criollos“ anboten und damit einen Etikettenschwindel begingen. Diese berüchtigten Schiffstransporte sollen nun unter dem Druck der Medien und der EU ein Ende haben. Parallel dazu wurde jedoch auch eine seriöse und besonders hochwertige Zuchtszene aufgebaut, deren Präsident Eugenio de Fiores alles daran setzt, um den persönlichen Kontakt zu den süd­amerikanischen Behörden, Verbänden und Züchtern zu festigen. Damit dürfte die Zucht in Europa einen Aufschwung erleben, denn der Flugimport ist recht teuer.