Eingestellt im Juli 2009
Deutsche Reiner …und die NRHA Germany
In dieser Ausgabe von WH ist ein Artikel mit Morey Fisk, in dem dieser auch seine Gedanken – und Besorgnisse – bezüglich der NRHA Germany ausdrückt. Es geht in der Hauptsache um einen Anschluss der NRHA Germany an die NRHA USA, d. h. um die Übernahme des Affiliate-Programms der NRHA USA seitens der NRHA Germany. Dass ein solcher Anschluss nicht nur Vorteile bringen würde, steht auf der einen Seite, auf der anderen, dass dennoch nicht wenige, gerade auch einflussreiche Mitglieder einen solchen Anschluss wünschen.
Als offizielles Organ der NRHA Germany liegt uns die Sache natürlich am Herzen, und wen könnten wir besser dazu interviewen als den Präsidenten der NRHA Germany, Kay Wienrich, dem speziell der Absatz des Morey Fisk-Artikels zur Kenntnisnahme zugestellt wurde...
KW: Ich kann die Bedenken von Morey sehr gut verstehen und nichts Gegenteiliges dazu sagen. Die Angelegenheit ist derzeit in der Schwebe, und die derzeitige Situation ist alles andere als optimal.
WH: Wenn "die Angelegenheit in der Schwebe" ist, dann bedeutet das also, dass es da nach wie vor Verhandlungen gibt? Es scheint nämlich bei manchen NRHA Germany-Mitgliedern der Eindruck zu bestehen, dass das Ganze mehr oder wenige eingschlafen ist, dass man seitens der NRHA Germany resigniert hat.
KW: Wir sind da nach wie vor "am Ball". Es ist aber so, dass derzeit eigentlich die NRHA USA am Zug ist. Auf der letzten Besprechung beim Meeting des International Committees anlässlich der Futurity in Oklahoma City, wo wir – Paul und ich – eigens hingeflogen sind, waren wir so verblieben, dass die NRHA USA bestimmte Punkte klären bzw. sich überlegen wollte und uns dann benachrichtigen würde. Nicht nur das, man hatte sogar erklärt, Vertreter zu unserer Jahreshauptversammlung zu schicken. Daraus ist aber nichts geworden. Stattdessen kam nur eine eMail, die im Grunde nur die Standpunkte der NRHA USA wiederholte, wie sie bei dem letzten Gespräch ausgedrückt worden waren.
WH: Es geht also darum, dass beim jetzigen Stand der Dinge nur ein bedingungsloser Anschluss an die NRHA USA möglich ist, der auch mit Nachteilen verbunden ist?
KW: Jeder muss sich klarmachen, der sich für einen Anschluss an die NRHA USA stark macht, dass dies einen deutlich höheren Jahresmitgliedsbeitrag für jedes NRHA Germany-Mitglied bedeuten würde. Aber das ist noch nicht alles: Auch für die Veranstalter von NRHA-Turnieren würde alles teurer, was besonders die Regionalgruppen-Turniere treffen würde. Und schließlich wäre auch jedwede Reform der Turnierstruktur unmöglich, welche deutsche Reiner für sinnvoll halten mögen.
Es sieht für mich grundsätzlich so aus, dass ich allen Mitgliedern der NRHA Germany gerecht werden soll. Es gibt eine Elite, die um jeden Preis den Anschluss will, und es gibt eine breite Basis – breiter als bei jedem anderen europäischen Land, wir haben inzwischen über 4.000 Mitglieder –, die das wenig bis gar nicht tangiert. Wenn diese Basis einmal wegbrechen sollte, hätte das negative Auswirkungen auf alle im Reining-Geschäft.
WH: Was war also der Lösungsansatz der NRHA Germany?
KW: Es war unser Angebot an die NRHA USA, bei einem Anschluss künftig die Breeders Futurity, das Breeders Derby, das Osterturnier und das auf der Freestyle Ranch USA-approved zu machen und Regionalgruppen anzuhalten, approved Turniere zu veranstalten, bzw. sie dabei zu unterstützen. Daraufhin war es sogar die Idee von Lance Griffin gewesen, dem Vorsitzenden des International Committees, die Preisgeld-Limitierung, welche ein Approval voraussetzt, von den vor 15 Jahren festgelegten $500 höher zu setzen. Damit hätten unsere Regionalgruppenturniere auch bei einem Anschluss ohne ein USA-Approval stattfinden können. Diesen diskussionswürdigen Vorschlag wollte man sich überlegen, dazu wollte man uns Bescheid geben. Das ist bislang nicht passiert.
WH: Und was passiert derzeit in dieser Sache?
KW: Zunächst einmal möchte ich gern loswerden, dass ich es bedauerlich finde, wenn immer nur gefordert und gemeckert wird. Wir haben so viele Mitglieder in unseren Reihen, die gleichzeitig auch Mitglied der NRHA USA sind. Wenn sie alle immer wieder drüben deutliche Worte fänden und unsere Bemühungen unterstützen würden, sähe es vielleicht inzwischen anders aus. Aber da war bislang keiner bereit, sich aus dem Fenster zu lehnen und sich für unsere Belange mit einzusetzen.
Konkret ist es so, dass Gerd Wilhelm, Präsident von Reining Deutschland (dem Ausrichter der USA-approved European Futurity), in seiner Funktion als Präsident sein Glück als Verhandlungspartner versucht. Gerd Wilhelm ist auch langjähriges NRHA Germany-Mitglied und tut dies auch mit Zustimmung des NRHA Germany-Vorstandes. Wie ich schon erwähnte, ist der Stand meiner Verhandlungen der, dass von seiten der NRHA USA etwas kommen müsste. Gerd Wilhelm arbeitet in diesem Sinne. Wir hoffen gemeinsam, dass wir schließlich zu einem befriedigenden Ergebnis kommen. Auf jeden Fall arbeite ich nach wie vor daran.
WH: Entspricht es der Wahrheit, dass die Beteiligung am SSP zurückgeht? Wenn ja, was ist der Grund dafür?
KW: Ich lasse einmal diese neue European Futurity außer Acht, die ja von Sponsorengeldern abhängig ist, und wer weiß, wie lange das funktioniert… Auch Mooslargue war ja zunächst eine große Sache und ist dann doch eingeschlafen. Wenn ich also diese European Futurity außen vor lasse, dann ist unsere Breeders Futurity immer noch nach der italienischen das höchstdotierte Reining-Turnier. Es ist richtig, dass die Beteiligung leicht zurückzugehen scheint, aber eine gewisse Schwankung aufgrund unterschiedlicher Faktoren ist immer gegeben – Frequentierung einzelner Hengste, generelle wirtschaftliche Situation, Kosten fürs Training usw. Aus meiner Sicht mögen auch deshalb weniger Hengste einbezahlt worden sein – und davon hängt ja alles ab –, weil die inzwischen immer stärker darin vertretenen in den USA stehenden Hengste manchen deutschen Hengsthaltern ein Mitmachen nicht mehr sinnvoll erscheinen lassen. Darüber kann man diskutieren, aber aus meiner Sicht kann man da kaum das Rad wieder zurückdrehen und nur hierzulande stehende Hengste zulassen – und ob das dann die gewünschte Wirkung hätte, kann einem auch keiner garantieren.
Wir könnten natürlich dadurch für höhere Preisgelder sorgen, dass wir höhere Startgelder nehmen – das Startgeld bei der Breeders Futurity beträgt 350 Euro in der Open, 250 Euro in der Non-Pro, das bei der European Futurity betrug z. B. durchschnittlich 1.000 Euro. Das würde bei uns allein in der Open rund 40.000 Euro mehr an Preisgeld ausmachen! So etwas müsste aber selbstverständlich durch die Mitgliederversammlung entschieden werden.
Ob es nun um den Anschluss an die NRHA USA geht oder um das SSP, ich sehe mich als Erfüllungsgehilfen der Mitglieder. Ich fühle mich gebunden an die Beschlüsse der Jahreshauptversammlung. In dem Rahmen versuche ich, das Beste für die Mitglieder zu erreichen.
WH: Wie sieht es bezüglich der Richter-Situation und der Richterausbildung in der NRHA Germany aus?
KW: Die jetzige Situation, in der die NRHA USA ihren Richtern verbietet, unsere Turniere zu richten, ist natürlich eine Durststrecke. Wir bemühen uns nach Kräften um die Richterausbildung und versuchen gleichzeitig auch, qualifizierte AQHA-Richter zu bekommen, die in der Lage sind, unsere Turniere zu richten.
WH: Vielen Dank für diese Erläuterungen. Und viel Glück bei den Verhandlungen mit der NRHA USA.



