Eingestellt im August 2009

Homozygote Paints

Lieber Hardy Oelke,

 

im Laufe der Jahre habe ich Deine Artikel in der Western Horse schätzen gelernt, weil Du ein riesiges Spektrum an Wissen und Erfahrungen hast, alles was Westernpferde und die dazugehörige Ausrüstung anbetrifft. Und ich liebe Deine Artikel, weil Deine Art zu schreiben einfach genial ist. Heute hätte ich einmal gern von Dir eine Meinung über folgende Situation: Bei den Paint Horse-Züchtern scheint sich der Trend nach immer mehr homozygoten Paints zu verbreiten, nach dem Motto: Hauptsache Farbe. Ich werde den Verdacht nicht los, dass dabei immer mehr die Performance auf der Strecke bleibt. Die Paints sind, wenn sie unter sich sind, sicherlich ihrer Rasse gerecht gerichtet. Was mir auffällt ist, dass in rasseoffenen Turnieren bei der NRHA oder NCHA äußerst selten Paints unter den Top 10 er-scheinen. Ist das vielleicht auch ein Resultat der Unsitte, mit homozygoten Paints einfach nur Farbe und weniger Leistung zu züchten, um dem Risiko eines Solid Paint-bred aus dem Weg zu gehen? Und ist das das Ziel der Paint Horse-Zucht?

Ich freue mich auf eine Antwort von Dir. Vielleicht ist das ja auch mal einen Artikel wert.

Heinrich Schmitz,

HS Paint Horses

Antwort: Danke für die Blumen; es tut natürlich gut, auch mal eine solch positive Resonanz zu erfahren. Meistens greifen Leser nur zum Briefpapier, wenn es etwas zu bemängeln oder zu protestieren gibt.

Zum Thema homozygoter (reinerbiger) Paints ist folgendes zu sagen:

Zunächst einmal muss klargestellt werden, dass es hier um Reinerbigkeit bei Tobianos geht. Ein Pferd kann homozygot für eine Reihe von Erbgängen sein, schwarz, rot (fuchs), Dun-Faktor, Cream-Faktor, bay (Agouti), grey (Schimmel), Sabino usw. Im Gegensatz zu Frame Overos oder z. B. auch Roans, wo es keine reinerbigen Pferde gibt, weil diese nicht lebensfähig sind, ist dies bei der Tobiano-Scheckung ohne weiteres möglich.

Die Frage, ob die steigende Fokussierung auf reinerbige Tobianos dazu führt, dass die Leistungsfähigkeit der Pferde deswegen leidet, ist so alt wie Paint Horses selbst. Gegner der Farbzuchten haben schon immer gern das Argument gebracht, dass ein Züchten auf Farbe zum Verlust von Leistung führe – ohne dabei zu bedenken, dass dasselbe auch umgekehrt gilt: Das Züchten auf Einfarbigkeit, das Diskriminieren gegen Abzeichen bedeutet ebenso ein Verlust an Leistung. So sind der Quarter Horse-Zucht durch den späteren Ausschluss von Pferden wie Painted Joe, Painted Joe Jr, Delta und anderen hochtalentierte und hocherfolgreiche Pferde verlorengegangen. Die Quarter-Züchter werden sagen, dass sie sich diesen Verlust bequem leisten konnten, aber es geht ums Prinzip – wer Pferde wegen weißer Abzeichen ausschließt handelt nicht anders als der, welcher eins wegen Einfarbigkeit ausschließt.

Dennoch spitzt sich bezüglich homozygoter Tobianos dieses Thema meines Erachtens sehr zu, weil dabei nur eine enorm eingegrenzte Basis an Zuchtmaterial zur Verwendung kommt. Wenn es nun so wäre, dass es einige homozygote Tobianos gäbe, die überragende Leistungspferde sind, dann würde man zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen, würde man diesen erlauben, die Zucht zu dominieren. Doch das ist eben nicht der Fall. Wenn Leistungsträger ignoriert werden zugunsten von Pferden, die ihnen nicht das Wasser reichen können, aber homozygote Tobianos sind, dann liegt es auf der Hand, dass damit in der Zucht die Leistung in den Hintergrund tritt und stattdessen rein optischen Eigenschaften der Vorzug gegeben wird.

Ansonsten bin ich nicht der Meinung, dass die Verwendung homozygoter Tobianos bereits eine Schwächung der Leistungsfähigkeit gebracht hat. Es ist doch immer noch eine relativ kleine Gruppe, die darauf verstärkt das Augenmerk legt. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es vergleichsweise wenig Paints gibt, die in NRHA- und NCHA-Wettbewerben erfolgreich sind. Gerade in der letzten Zeit hat es Paint Horses gegeben, die da zu höchsten Ehren gekommen sind: Gunner, RR Star, Color Me Smart, Like A Diamond und viele andere. Und sie haben ihrerseits

Pferde gezeugt und produziert, die ganz vorn laufen. Man muss ja das zahlenmäßige Verhältnis berücksichtigen, dass zwischen Quarter Horses und Paint Horses besteht. Da ist es höchst beachtlich, dass es überhaupt bereits Paints gegeben hat, die sich gegen diese drückende zahlenmäßige Überlegenheit durchsetzen konnten.

H.O.


Rassetyp und Zucht

Wie viele andere, konnte ich die Bewertungen auf diversen Zuchtschauen nicht nachvollziehen. Die mentale Qualität des eigentlichen Quarter Horses wurde nicht berücksichtigt. Diese ist im Rassetyp verankert.

Zum eigentlichen Typ des Quarter Horses möchte ich bemerken, dass nicht nur hochbeinige, flachrippige Pferde atypisch sind, sondern ich habe auch rein Reining-gezogene Pferde gesehen, die eher klein und flachrippig waren. Hier hätte ich eher auf Vollblutaraber im schlechten Typ getippt. Andererseits werden in manchen Büchern Bilder von Bulldog-Typen als die eigentlichen Quarter Horses gezeigt, die typische Wiescamp-Linien darstellen. Diese haben extrem dicke Kaubacken und relativ schmale Oberköpfe, obwohl solche Pferde im großen Sport kaum zu sehen sind. Sie haben einen sehr lehrreichen Beitrag im Heft 5/09 "Conformation bei Halter-Pferden" gebracht. Vielleicht könnten Sie in dieser Richtung ähnliche Beiträge bringen.

Neulich las ich in einer Zeitschrift über Pferdebeurteilungen. Es fielen Wörter wie „Spindelung, gesperrte Nierenpartie, gerade oder nicht gerade eingeschient" usw.

Zum Schluss die Fragen: Ist Three Bars ein Foundation Quarter Horse? Sind Mr San Peppy und Peppy San Badger im guten Quarter Horse-Typ?

Siamak Hashemi, Steinreich

Antwort:

Wir werden selbstverständlich auch künftig bestrebt sein, informative Beiträge auch für den Züchter und Zuchtinteressierten zu bringen.

Viele Reining-Pferde sind Foundation Quarter Horses, auch wenn sie nicht als solche promotet werden.

Das eigentliche Quarter Horse war ein Pferd, dass auch gern als „Bulldog“ bezeichnet wurde. Wiescamp-Pferde waren/sind nicht die einzigen mit diesem Gebäudetyp, der übrigens nichts Negatives beinhaltet.

Three Bars war ein Vollblüter, also kein Foundation Quarter Horse. Er wurde aber zum Foundation Sire in der Quarter Horse-Zucht. Der Begriff "Foundation" kann unterschiedlich angebracht werden. Mit "Foundation Quarter Horse" wird – unglücklicherweise – ein Quarter Horse bezeichnet, dass überwiegend auf die alten Blutlinien zurückgeht, welche die Rasse berühmt gemacht haben. Bei "Foundation Sire" drückt das Wort aus, dass es sich um einen Gründerhengst bzw. eine sehr einflussreichen Vererber handelt.

Mr San Peppy und Peppy San Badger waren echte Quarter Horses, nicht in allen Punkten vorbildlich bezüglich des Rassetyps, aber überwiegend schon und beides Pferde, wo man nicht "Quarter Horse" dranschreiben brauchte. Sie waren "Foundation"-gezogen und haben auch dementsprechend vererbt.

H.O.


HERDA

Liebe Leser,

wir haben mehrere Reaktionen auf den HERDA-Artikel in der letzten Ausgabe bekommen, die uns darauf hinwiesen, dass der Artikel überholt sei und es jetzt einen Gen-Test gibt. Unser Artikel war aufgrund einer Pressemitteilung der AQHA gebracht worden, deshalb war uns nicht klar, dass er überaltet war. Wir werden in der nächsten Ausgabe eine Richtigstellung und eine Information über den Gen-Test bringen.

H.O.