Eingestellt im Juli 2009
Quarter in Deutschland, Unzufriedenheit unter den deutschen Quarter Horse-Züchtern (WH 4/09)
Nachdem sich die ganze Diskussion ein wenig gesetzt hat, möchte ich mich auch kurz dazu äußern. Wir sind langjährige Warmblutpferdereiter und auch Züchter. Zu unserem ersten Quarter kamen wir vor 2 1/2 Jahren, nachdem wir zwei Kanada-Urlaube hinter uns hatten und von der Vielseitigkeit und Trittsicherheit der Quarter Horses dort begeistert waren.
Auf der Suche nach unserem ersten Quarter irritierte mich als erstes die Frage, welche Reit-Richtung es denn sein sollte. Ich dachte ja damals noch, Quarter sei gleich Quarter – aber gut, auch bei den Warmblütern gibt es verschiedene Richtungen. Nachdem ich in einem Pleasure-Stall war (der Besitzer dort war supernett und hilfsbereit, der Unterricht war auch super), entschied ich mich, dass dies nicht meine Richtung ist und nicht der Grund, warum ich einen Quarter möchte. Ich kam dann durch Zufall an einen Ranch Horse-Züchter in der Nähe und kaufte die erste Stute. Da ich, wenn ich etwas anfange, es gründlich tue, begann ich zu recherchieren und schaute mir auch Fohlenschauen an (ich war schon auf vielen, vielen Warmblutfohlenschauen in den letzten 20 Jahren). Hier war ich zum erstenmal verwundert, wie die Fohlen (!) die Beine gesetzt bekamen, damit sie richtig standen (gut, war nicht die Regel, aber das gab es). Dieses Fohlen bekam dann auch mit die höchste Note, obwohl es die Hinterfüße gar nicht aus dem Sand bekam und für meine Begriffe schlurfte. Die edleren, im Warmbluttyp stehenden Pferde bekamen meist die besseren Noten, was sich auch bei der Stubucheintragung fortsetzte. Ich konnte schon vorraussagen, nachdem ich mich zwei Jahre mit Quarter-Zucht und -Züchtern beschäftigt hatte, welche Stute gewinnen würde (namhafter Züchter), obwohl ich es absolut nicht nachvollziehen konnte, da meine Dreiviertelblut-Warmblutstute genauso aussah (nur nicht ganz so durch den Sand schlurfte). Langer Rede kurzer Sinn, mir ist als Neuling in der Quarter-Zucht – allerdings nicht Neuling in der Zucht allgemein – sofort aufgefallen, welcher Linie im großen und ganzen der Vorzug gegeben wurde. Im übrigen stehen nicht alle Pleasure-Pferde korrekt, auch die gekörten Hengste nicht (habe ich selbst gesehen).
Wir sind zu den Quarter Horses gekommen, weil sie vielseitig sind, und mit Entsetzen musste ich dann feststellen, dass dort dieselben Fehler wie vor20 Jahren und zum Teil immer noch in der Warmblutzucht gemacht wurden bzw. werden. Dort werden die Fohlen ja im Schritt und Trab beurteilt (diesenSinn verstehe ich immer noch nicht), und die Fohlen mit Dressurabstammung standen auf den Schauen immer vorne, was zur Folge hatte, dass die Springpferdezucht in Westfalen, Hannover und Oldenburg vernachlässigt wurde und fast völlig zusammenbrach (alle Züchter wollten nur noch Dressurpferde züchten, weil die vorne standen und teurer verkauft wurden). Die Kurve bekam man dann noch gerade so, indem gesonderte Fohlenschauen für Springfohlen und Programme für Springpferde einberufen wurden. Noch heute hat man aber an den Folgen zu leiden, da alte Springstämme fast verschwanden bzw. vermischt wurden.
Die Frage, die sich jetzt dem deutschen Quarter Horse-Verband stellen muss, ist folgende: Was wollen wir in Deutschland züchten? Der Einfluss durch die Beurteilung auf den Fohlenschauen und Stutbucheintragungen ist nicht zu unterschätzen, wenn er auch vielleicht nicht so stark ist wie bei den Warmblütern. Warum nicht in zwei oder mehr verschiedenen Klassen beurteilen bzw.rangieren? Der Frust bei den Quarter-Züchtern ist da, oder habe ich nur die falschen kennengelernt, weil ich mir auch zwei im alten Quarter-Typ stehende Stuten gekauft habe?
Wie können neue Reiter, Züchter für Quarter Horses begeistert werden? Als Umsteiger vom Warmblut kann ich ganz klar sagen: Die Pleasure-Linie ist es zumeist nicht, die Umsteiger reizt (und in der Dressur bleibe ich dann lieber bei meinen Warmblütern). Für die Zucht ist es auch nicht ganz unwichtig, zu wissen, wieviele Quarter-Besitzer reiten Turnier, und wieviele Freizeitreiter gibt es? Auch da sind die Warmblutzüchter Negativbeispiel und auch ein Grund, warum es so viele Umsteiger gibt (jeder wollte nur noch Turnierkracher züchten, und dabei litt das Interieur und die Bedienbarkeit der Warmblüter).
Birgit Schwedes-Kubetschek



