Eingestellt im April 2009

Weiden und Ausläufe - Im Frühjahr gibt’s viel zu tun – Weiden und Ausläufe müssen wieder instandgesetzt werden

Für viele Pferde sind im Winter die Ausläufe der häufigste Aufenthalt und die Chance, sich ein wenig Bewegung zu machen, frische Luft zu atmen und die Sinnesorgane zu betätigen – Augen, Ohren, Nase, die Haut, die den Wind spürt, die Kälte und die Wärme. Ausläufe leiden häufig den Winter über auf verschiedene Weise. Die Einzäunungen werden möglicherweise angefressen, vor allem aber der Boden kann sumpfig werden, je nach dem, welcher Art er ist. Das Ende der Wintersaison bedeutet also oftmals, dass Ausläufe und ihre Einzäunungen erneuert oder ganz neu angelegt werden sollen. Wo eine Drainage gelegt wurde, kann man Sand als Boden für die Ausläufe nehmen. Wo keine Drainage vorhanden ist, sind Holzhackschnitzel vielfach eine brauchbare Alternative. Dick genug aufgetragen, halten diese die Ausläufe schlammfrei. Sie müssen jedoch, je nach Beanspruchung, am Ende des Winters erneuert werden. Heute werden Ausläufe auch gern mit Verbundpflaster versehen, entweder aus massiven Pflastersteinen oder aus Hohlsteinen, die dann mit Sand aufgefüllt werden. In letzterem Fall sollte dem Ganzen auch eine Drainage zugrunde liegen, obwohl es heutzutage sogar Systeme gibt, die gewissermaßen ihre eigene Drainage beinhalten und direkt auf den Naturboden aufgebracht werden können. Kunststoffgitter kommen ebenfalls zum Einsatz, sowohl als stabilisierendes Element bei Reitplatzböden wie auch bei Ausläufen. Sie sind in Design und Eigenschaften sehr unterschiedlich, und man sollte sich möglichst in der Praxis ansehen, wie sich ein Produkt bewährt hat. Zäune sollten für Pferde immer optisch gut wahrnehmbar sein, aber das trifft in besonderem Maße für Ausläufe zu. Je größer eine Fläche ist, auf der die Pferde laufen, desto weniger "Druck" muss ein Zaun aushalten, und da Ausläufe eben nur begrenzt Auslauf bieten, muss die Einzäunung ent- sprechend "abschreckend" sein. Holzzäune laden ein zum Anfressen, wenn es nicht sehr hartes Holz ist. Bestreichen mit irgendwelchen abweisenden Anstrichen ist nicht zu empfehlen, weil diese oft gesundheitsgefährdend sind und sie außerdem erfahrungsgemäß die Pferde sowieso nicht lange vom Beknabbern abhalten. Da ist es besser, von innen einen Elektrodraht bzw. eine Elektrolitze zu ziehen. Eine Einzäunung nur mit Elektrolitze ist zumindest für relativ kleine Ausläufe nicht zu empfehlen, weil sie optisch nicht abweisend genug ist, d. h. es kann da leichter passieren, dass ein Pferd einmal im Reflex hineingerät, was es bei einem massiv wirkenden Holzzaun so leicht nicht tut. Elektrolitzen verlieren mit der Zeit ihre Leitfähigkeit. Zum Frühjahr hin ist ein guter Zeitpunkt, sie zu überprüfen, auch auf der Weide, und ggf. neu zu verlegen. Sie haben auch die Eigenschaft, mit der Zeit schlaff zu werden und durchzuhängen, und müssen nachgespannt werden. Es gibt Systeme, die sich beständig selbst stramm halten. Panels aus Leichtmetall sind weitverbreitet und haben ihre Vorteile. Sie sind leicht variabel aufzubauen, wenn es gute Produkte sind, haben sie keine scharfen Ecken und Kanten, sie sind witterungsbeständig und halten durchaus einem normalen Druck stand. Weidehütten, "Unterstände", sind unerlässlich, wenn Pferde bei jeder Witterung ganztägig draußen bleiben sollen und müssen auch auf Schäden kontrolliert und ggf. repariert werden. Es gibt auch verschiedene interessante mobile Lösungen auf dem Markt. AUF DEN WEIDEN ist meistens die erste Tätigkeit – sobald das Wetter dies erlaubt –, sie abzuschleppen. All zu oft sieht man ganzjährig zertretene Pferdeweiden, deren Aufwuchs überwiegend aus minderwertigen Gräsern und Unkräutern besteht. Das mag kein Pferd. Um eine hochwertige Weide zu erhalten, bedarf es einiger Pflegemaßnahmen sowie ausreichender Ruhepausen zum richtigen Zeitpunkt. Maulwurfshügel, Trittschäden und sonstige Unebenheiten werden durch das Abschleppen wieder glattgezogen und eingeebnet, Pferdeäppel werden breit verteilt und mit der Erde der Maulwurfshaufen gemischt. So werden Lükken geschlossen, die sonst bevorzugte Keimstellen für Unkräuter werden. Auf den Mähflächen wird so außerdem der Schmutzeintrag bei der Futtergewinnung reduziert – eine wichtige Voraussetzung für die Gewinnung staubarmen und schimmelpilzfreien Futters. Abgeschleppen darf man nur, wenn die Flächen genügend abgetrocknet sind – d. h. wenn die Maulwurfshaufen grau sind –, sonst werden die Gräser zu stark verschmutzt, und die Treckerreifen verdichten außerdem sonst den Boden zu sehr. Das Aufsammeln der Pferdeäppel ist aus weidehygienischer Sicht am besten, aber für viele aus Zeitgründen nicht praktikabel, besonders bei großen Weideflächen. Bei flächenarmen Pferdehaltungen ist ein Absammeln der Pferdeäppel aber das einzig Wahre. Je nach dem, was man für eine Weideschleppe hat, wird dabei auch die Grasnarbe aufgerissen, so dass Luft daran kommt (Striegeln). Ist die Grasnarbe fest, weist aber in den Lücken großflächig schnellwachsende minderwertige Gräser und Kräuter auf (wie Gemeine Rispen, Vogelmiere), was besonders nach einem milden Winter der Fall ist, ist ein scharfes Striegeln sinnvoll, um diese Flachwurzler herauszureißen. Anschließend sollte eine Reparatursaat gemacht werden. Abwalzen sollte prinzipiell nur auf geeigneten Flächen vorgenommen werden und bei gutem Wetter. Walzen hat viele positive Aspekte, wie das Verringern von Bodenunebenheiten und die Reduzierung unerwünschter Bewuchslücken; durch Trittschäden abgelöste Pflanzenwurzeln können wieder Bodenschluss bekommen. So kann sich wieder eine kräftige und trittfeste Grasnarbe entwickeln. Die muss Walze genügend schwer sein (mindestens eine Tonne) und sehr langsam (unter zwei km/h) gefahren werden. Auf schweren Böden ist Walzen wegen der unvermeidlichen Bodenverdichtung unratsam und fördert da sogar schädliche Staunässe; auf Sand hingegen ist es dagegen so gut wie wirkungslos und rechtfertigt nicht den Aufwand. Allein auf humusreichen Böden liefert das Walzen die gewünschten Effekte – wenn es zum richtigen Zeitpunkt geschieht. Die Flächen dürfen nicht zu nass sein (Fahrspurschäden), aber auch nicht zu trocken, denn dann bleibt der Erfolg aus wegen der starken Federung des Bodens. Die Faustregel lautet, dass der Boden sich eindrücken lassen, dass dabei aber kein Wasser zusammenlaufen sollte. Generell sollte für die Bearbeitung des Grünlandes unbedingt die Frostgefahr weitestgehend vorbei sein, denn wenn es anschließend noch einmal längere Frostperioden gibt, fangen einmal die Maulwürfe wieder intensiv zu wühlen an, um sich in tiefere und wärmere Bodenschichten zurückzuziehen, anderseits kommt es sonst erneut zum Auffrieren der oberen Bodenschichten, wenn diese Wasser enthalten; der ganze Aufwand wäre dann vergeblich gewesen. Nasse Weiden, zum Beispiel in Bachtälern oder im Marschland, werden durch Entwässerungsgräben trocken gehalten. Im Frühjahr ist die Zeit, zu der diese Gräben kontrolliert und offen gehalten werden. Staunässe ist schädlich für unseren Weidebewuchs. DÜNGUNG Eine einseitige oder überhöhte Nährstoffzufuhr wirkt sich besonders negativ auf die Artenzusammensetzung und somit auf die pferdegerechte Futterqualität aus. Bedenkt man die Fressgewohnheiten der Pferde, erweist sich Kalkstickstoff als richtiges Pflege- und Düngemittel für die Pferdeweide. Pferde sind bekanntermaßen selektive Fresser und begünstigen so auf Dauer eine Vermehrung unerwünschter Pflanzen, denn die können sich ungestört aussäen, da sie von den Pferden gemieden werden, wohingegen schmackhafte Gräser nicht zur Vermehrung kommen. Weitere Probleme bei intensiver Weidehaltung von Pferden sind die fortschreitende Zerstörung der Grasnarbe durch Trittschäden und der Verbiss. Pferde bevorzugen eher "mageres" Futter, woraus klarwird, dass bei Pferdeweiden kein großer Stickstoffbedarf besteht, zudem klassische Stickstoffdünger eher ein rasches Massenwachstum bewirken und von diesem Massenwachstum in erster Linie nur die Obergräser profitieren, was wiederum zu einer Verdrängung der narbenbildenden Untergräser führt. Konzentrierter und rasch wirkender Stickstoffdünger (wie z. B. in der Milchviehhaltung üblich) ist darum dass falsche Mittel für eine gesunde Weidehaltung von Pferden. Seit Jahren hat sich geperlter Kalkstickstoff für Pferdehalter und -züchter bewährt. Er fördert das Wachstum von Untergräsern und trägt so zur Bildung und Konsolidierung der Grasnarbe bei, stoppt die Bodenversauerung und drängt Moos, Löwenzahn und diverse unerwünschte Unkräuter zurück. Sehr nützlich ist seine Wirkung gegen Eier und Larven von Parasiten, die durch das Koten der Pferde auf der Weide angesiedelt und beim Fressen sonst immer wieder aufgenommen werden. Sobald das Wetter und die Vegetation es zulassen (zur Forsythienblüte, meist April), werden nach dem Mulchen der Weideflächen pro Hektar ca. 3,5 bis 4 dz/ha (also eine Stickstoffmenge von 70 bis 80 kg/ha) Kalkstickstoff gestreut. Dabei sollte unbedingt auf eine trockene Weide bei der Düngung geachtet werden. Bei maßvoller Nutzung der Grasflächen und sorgfältiger Weidepflege lassen sich sehr positive Wirkungen beobachten, wie ein deutlicher Rückgang des Parasitenbefalls und ein ausgewogener Blutmineral-Haushalt der Pferdedurch aufgrund der Vielfalt und artgerechten Zusammensetzung der Gräser. Kalkstickstoff fördert nicht nur das Wachstum des festigenden Untergrases, sondern verhindert auch das Wachstum unerwünschter Wildkräuter. Nach der Kalkstickstoffdüngung ist wegen der Ätzwirkung zwingend eine Weideruhe von 14 Tagen einzuhalten. Die Ausbringungsvorschriften sind unbedingt zu beachten – Vergiftungsgefahr! Um Weiden optimal düngen zu können und um Informationen über den Gesamtzustand des Bodens zu erhalten, wird angeraten, in einem Abstand von zwei bis drei Jahren eine Bodenprobe analysieren zu lassen. Die jeweils zuständige Landwirtschaftskammer kann dabei weiterhelfen. Die notwendige Höhe der Düngung hängt von der Nutzungsintensität, der Bodenart, den Bodenverhältnissen und dem Wetter ab. Mit der Stickstoffdüngung wird automatisch Einfluss auf die Artenzusammensetzung der Grasnarbe genommen. Bei hohen Gaben werden die Kräuter benachteiligt. Klee hat die Fähigkeit, Luftstickstoff zu binden, und kann darum einen Teil der mineralischen Düngung ersetzen. In Maßen (10 bis 15 % Anteil im Aufwuchs) ist er auch ein wertvoller Futterbestandteil; zu hohe Anteile können allerdings zu Bekömmlichkeitsproblemen führen. Mit mineralischer Stickstoff-Düngung kann ein zu hoher Kleeanteil zurückgedrängt werden. Nachsaat Wo die Grasnarbe über die kalte, nasse Jahreszeit zu sehr gelitten hat, ist eine rechtzeitige Nach- und Übersaat zum Erhalt der Weidenarbe notwenig. Auch diese Maßnahme sollte im April erfolgen (oder nach der Grundfutterernte im Juli/August), so dass die Nachsaaten eine gute Chance gegen den konkurrierenden Altaufwuchs und die Unkräuter haben. Das Ausbringen der Grassaat im Schleuderstreuer gemischt mit Mineraldünger ist die einfachste Methode, ca. fünf bis acht kg/ha. Bei größeren Narbenschäden ist es besser, die Reparatursaat mit einem Schlitz- oder Fräs-Sägerät vom Lohnunternehmer in die kurze Altnarbe einschlitzen zu lassen. Dafür braucht man etwa 20 kg/ha Saatgut. Nachfolgend kann bei trockener Witterung vorsichtig angewalzt werden. Zur Unterstützung der Jungpflanzen sollte die Altnarbe nach der Verbesserungsmaßnahme durch einen frühen Schnitt oder durch Beweidung mit Rindern kurz gehalten werden. Bei weit fortgeschrittener Degeneration der Narbe kann eine teure Neuansaat nötig sein. Dafür ist meistens ein Totalumbruch der Weideflächen erforderlich. Bezüglich des Saatguts ist zu sagen, dass oft viel Geld für artenreiche Kräutermischungen ausgegeben wird, der gewünschte Erfolg aber häufig ausbleibt. Hohe Standort- und Nutzungsansprüche der meisten Kräuter führen zu ihrem Verschwinden schon nach kurzer Zeit. Bei sachgemäßer Nutzung und Pflege der Flächen stellen sich meistens die für den jeweiligen Standort angepassten Kräuter von allein ein, darum kann sich die Ansaat auf die gewünschten Futtergräser beschränken. Bei der Auswahl der Saatmischung sollte unbedingt speziell nach für Pferdeweiden geeignetem und geprüftem Saatgut gefragt werden mit besonders fruktanarmen Grassorten. Diese sind zwar nicht so leistungsfähig wie die hochgezüchteten Weidelgräser, minimieren dafür aber das Hufrehe-Risiko deutlich. Solche Mischungen bestehen neben späten und mittelspäten Weidelgräsern aus Lieschgräsern, Wiesenrispen und ausläufertreibendem Rotschwingel, der die Trittfestigkeit fördert. Unter den handelsüblichen Ansaatmischungen kommt diesen Anforderungen allein die Variante GIo (ohne Klee) relativ nahe, die sich jedoch eher für die Schnittnutzung eignet. Wenn es lediglich um dünne Nachsaaten in Altnarben geht, ist unter Umständen eine herkömmliche Reparatursaat (GV) mit schnellwüchsigen und leistungsstarken Weidelgräsern jedoch sinnvoller, da unter solchen Bedingungen sowieso kaum eine Chance für die langsamer wachsenden "Pferdegräser" besteht, sich durchzusetzen. ZÄUNE Das Wichtigste ist, die Zäune nachzusehen und zu reparieren. Über den Winter sind meistens einige Zaunpfähle morsch geworden, abgebrochen oder zumindest locker geworden. An den Elektrozäunen haben sich Isolatoren gelockert, müssen nachgezogen oder erneuert werden. Bei Drahtzäunen ist mit der warmen Witterung der Draht locker geworden, weil er sich bei Wärme ausdehnt. Es gibt verschiedene effektive Drahtspanner, mit denen er wieder straffgezogen werden kann. Dasselbe gilt für Elektrolitze. Müssen neue Zäune errichtet werden, sollte man erwägen, ob nicht Kunststoffzäune sinnvoller sind. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, und alle haben gemeinsam, dass sie nicht verrotten und auf Dauer kostengünstiger und arbeitssparender sind. Meistens sind Kunststoffzäune optisch gut wahrnehmbar. Wasserversorgung Im Marschland bieten Entwässerungsgräben Wasser in reichlicher Menge, manche haben bei ihren Weiden Zugang zu Bachläufen, aber die meisten müssen für die Weidesaison auch bezüglich der Wasserversorgung Anstrengungen machen. Liegen die Weiden nahe des Hofes, ist die Anbringung einer einfachen Selbsttränke möglich, mit Anbindung über stabile PE-Schläuche. Bei drohendem Frost muss aber rechtzeitig abgestellt werden, um größere Schäden und Wasserverlust zu vermeiden. Mobile Wassertanks sind weit verbreitet, die mit dem Traktor zum Befüllen nach Hause geholt werden. Ihr Vorteil ist, dass sie bei Umtriebsweiden mit umziehen können. Für die Wasserwagen gibt es Selbsttränkebecken oder größere mit Schwimmern ausgerüstete Trinkschalen, die den Wassernachfluss regeln. Wo ein Brunnen ist oder das Wasser aus einem größeren Wasserloch entnommen werden kann, empfiehlt sich eine Membran-Weidepumpe. Die Pferde lernen schnell, über den leichtgängigen Schieber einen Unterdruck zu erzeugen, durch den das Wasser in das Tränkebecken gesaugt wird. Diese Weidepumpen gibt es jetzt auch in frostsicherer Ausführung, eingebettet in ein gasbeheiztes Gehäuse. Vor der Nutzung neuer Wasserquellen (Brunnen, Teich etc.) muss unbedingt die Wasserqualität überprüft werden (Schadstoffe, Nitratgehalt usw.)! Und natürlich müssen täglich Funktionsfähigkeit und Sauberkeit der Tränken kontrolliert werden!