Eingestellt im Juli 2011

WH 5, WORTH OF THE WAIT?

Der nachstehende Wortwechsel wurde auf der facebook-Seite von WESTERN HORSE geführt und ist hier gekürzt nochmal wiedergegeben

Sehr geehrter Herr Oelke,

mit Entsetzen las ich Ihren Artikel in der neuen Western Horse betreffend der Ausbildung eines Bridle Horses. Warum regen Sie sich so über eine Szene in so einem fernen Land auf? Gibt es hierzulande nicht wichtigere und brennendere Themen? Als Beispiel darf ich Wittelsbürger zitieren:

"DQHA-JHV 2011: Antrag zum Schutz von jungen Pferden abgelehnt. Unerwartet heftig fiel hingegen die Diskussion zum Antrag zum Schutz von jungen Pferden in der Futurity/Maturity aus. Der Antrag sah vor, dass Pferde, die bereits zweijährig oder jünger in einer Reitprüfung vorgestellt worden sind, nicht mehr auf der DQHA Futurity/Maturity startberechtigt sein sollen. Dieses wurde mit 16 zu 9 Stimmen abgelehnt…" Es ärgert mich sehr, vor diesem Hintergrund eine Negativpropaganda zu lasten einer kleinen Randgruppe der Westernreiterei zu starten, deren Ziel es ist, GEMEINSAM MIT dem Pferd (welches in Ruhe drei Jahre alt werden darf, bevor es mit Reitergewicht belastet wird) ein friedvolles und produktives Pferd/Reiterdasein zu erreichen. In der kalifornischen Reiterei von heute (auch hier mag es schwarze Trainerschafe geben, aber die gibt es leider überall) gilt es, zu lernen, wie er/sie sein Pferd zu einem durchlässigen, sicheren und vertrauensvollen Reitpferd ausbildet. Spätere

Athletik nicht ausgeschlossen. Es ist also so gesehen nicht das Pferd, das so wahnsinnig viel lernen muss (und manchmal schneller könnte), sondern der Mensch in den allermeisten Fällen.

Ich finde es daher sehr schade, dass Sie mit ihrer negativen Beschreibung dieser Ideologie vielleicht Interessenten abschrecken.

Diejenigen, die sich mit kalifornischen Traditionen befassen, tun das überwiegend deshalb, weil dahinter ein klares System steht und das Reiten außerhalb der Arena im Fokus steht. Wir wollen etwas lernen… unseren Pferd zuliebe. Nicht jeder Freizeitreiter mit Affinition zur kalifornischen Reitweise will Reining-Ma­növer in der Bahn reiten. Sie stellen in Ihrem Artikel die Behauptung auf, dass der kalifornische Reiter den langsamen Ausbildungsweg nur als Ausrede nutzt. Es ist jedoch aus meiner Sicht eher so, dass die Langsamkeit innerhalb der Ausbildung alleinig am Talent/Können desjenigen hängt, der das Pferd ausbildet. Der Satz „Mach am Anfang langsamer, damit es hinterher schneller geht" drückt dies bildlich aus. Wieso sollte es ein Problem sein, dass ein Pferd (besser spricht man von Pferd/Reiter-Paar) ein Jahr Zeit bekommt, sich an ein Gebiss im Maul zu gewöhnen? Im Umkehrschluss heißt das, dass ein Reiter ein Jahr Zeit bekommt, mal darüber nachzudenken, was er mit welchem Gebiss im Pferdemaul bewirkt und erreichen will.

Sicher sind Ihnen die Dorrance-Brüder bekannt: "Timing is everything". Es gibt keine bessere Zeit, als die ersten zwei bis drei Jahre innerhalb der Hackamore/Two-Rein-Ausbildung, um als Reiter zu lernen, im Timing mit den Füßen des Pferdes zu arbeiten (und z. B. sich einen ordentlichen Sitz anzueignen). Es gibt zudem keine festgeschriebenen Zeiten, wie lange man in dieser oder jener Zäumungsvariante bleiben „muss". Wie Sie selbst richtig anmerken, ist das Pferd dasjenige, das mitteilt, wie weit es ist. Es kann jedoch nur von jemand gehört werden, der gelernt hat, es zu verstehen.

Der Artikel erweckt den Eindruck, als möchten Sie der Californio-Bewegung sowohl Erfolg wie auch Ernsthaftigkeit absprechen. Die Frage ist, aus welcher Warte Sie das beurteilen. Aus Sicht eines Freizeitreiters aber wohl kaum.

Ilona Hoischen

Antwort:

Die Abstimmung der DQHA war keine für das Reiten und sogar Showen von zweijährigen und jüngeren Pferden, dazu an anderer Stelle mehr (s. Stellungnahme von Markus Rensing weiter unten). Das hat jedoch nichts mit diesem Artikel zu tun.

Es ist kein Prädikat einer „kleinen Randgruppe der Westernreiterei“, dass es ihr Ziel ist, „gemeinsam mit dem Pferd (welches in Ruhe drei Jahre alt werden darf, bevor es mit dem Reitergewicht belastet wird) ein friedvolles und produktives Pferd/Reiterdasein zu erreichen" – ich möchte annehmen, dass es immer noch viele Westernreiter aus ALLEN Bereichen gibt, die dies anstreben. Dazu muss man sich nicht als angeblich „kalifornischer Reiter von gestern oder von heute" darstellen.

„In der kalifornischen Reiterei von heute…"? Die kalifornische Reiterei von heute ist nicht anders – jedenfalls nicht pferdeschonender – als die in anderen amerikanischen Bundesstaaten.

„Es ist also so gesehen nicht das Pferd, das so wahnsinnig viel lernen muss… sondern der Mensch…" – Nein, es geht in dem kommentierten Artikel nicht um Reitanfänger, die sich selbst mit ihrem Pferd Zeit lassen wollen, ganz und gar nicht. Er wurde geschrieben von einem der vielen Gurus. Es geht darum, dass Leute „altkalifornisches Reiten" lehren, obwohl heute niemand mehr weiß, was das wirklich war und wie das ging. Was ein Reiter für sich macht, welche Ziele oder Ideale er verfolgt, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn aber jemand andere etwas lehrt, was er selbst nicht kennt, mag das rein rechtlich kein Problem darstellen – Angebot und Nachfrage –, aber er muss sich dann auch Kritik wie die meinige gefallen lassen.

„Diejenigen, die sich mit californischen Traditionen befassen, tun das überwiegend deshalb, weil dahinter ein klares System steht…" – Und genau dieses System wird missverstanden und falsch interpretiert. Darum ging es mir u. a. auch. Und man kann nicht deshalb anderen ein klares System absprechen, weil sie nicht erklär­termaßen „kalifornisch" reiten. Erfolgreiche Reiter haben meistens ein klares System, andernfalls wären sie kaum erfolgreich.

„Sie stellen in Ihrem Artikel die Behauptung auf, dass der californische Reiter den langsamen Ausbildungsweg nur als Ausrede nutzt". Nein, diese Behauptung habe ich nicht aufgestellt. Ich habe im Wesentlichen gesagt, dass 1) von der glorreichen kalifornischen Reiterei neben den besonderen Ausrüstungsgegenständen (die heute auch meistens falsch abgewandelt produziert und oft falsch angewandt werden) nur das geblieben zu sein scheint, dass es lange (länger) dauert, 2) dass ich keine Verständnis dafür habe, wenn damit „angegeben" wird, wie lange man braucht, und 3) dass ich vergeblich nach Pferden suche, die auf diese unnötig langwierige Weise ausgebildet wurden und bessere Ergebnisse darstellen als andere.

Nochmal, der Artikel – und viele andere, ähnliche – basieren nicht darauf, dass der Reiter lernen soll „im Timing mit den Füßen des Pferdes zu arbeiten (und z. B. sich einen ordentlichen Sitz anzueignen)". Solche Artikel, solche Gurus stellen es durchweg so dar, dass sie eine bessere Ausbildung des Pferdes propagieren; die Fähigkeiten des Ausbilders werden vorausgesetzt.

Die Frage nach Erfolg oder Ernsthaftigkeit beantwortet sich durch die Ergebnisse. Wenn ich ein gutausgebildetes Pferd sehe, dann erkenne ich das an. Und dann weiß ich automatisch, dass dies nicht ohne ernsthaftes Training möglich war. Aber das ist völlig unabhängig davon, ob es „normal western" oder auf einem „Möchtegern-Californa-Weg" oder sonstwie trainiert wurde, ob es gar in der herkömmlichen Dressur oder der klassischen Dressur ausgebildet wurde.

Ich weiß nicht, wie man meinen Kommentar so falsch verstehen kann. Mehr als einmal wurde darin einer Ausbildung das Wort geredet, die sich ausreichend und gerne auch etwas mehr als ausreichende Zeit nimmt. Hier nochmal ein Zitat daraus:

"Es ist falsch und verwerflich, sich und sein Pferd unter Zeitdruck zu setzen, zu schnell vorzugehen, nicht solide zu arbeiten. Wer das macht, dem gibt das Pferd sowieso irgendwann die Quittung. Und wenn jemand nicht sicher ist, wenn jemand auf 'Nummer Sicher' geht und sich noch ein wenig Extrazeit nimmt – wunderbar. Lobenswert."

Wie kann man das missverstehen? Aber ich habe eben auch gesagt:

„Es ist keine Tugend, länger als nötig zu brauchen… Es ist ein Armutszeugnis…" Und: "Das scheint mehr oder weniger alles zu sein, was von der Tradition des California Vaqueros geblieben ist. Pferde, die keinen vom Hocker reißen, und Reiter, die damit angeben, wie lange sie gebraucht haben, um ihnen so wenig beizubringen…"

Und wenn man dann daraus eine Ideologie macht, wenn man dann sogar noch meint, auf andere hinabschauen zu müssen, dann finde ich das kritisierenswert.

H.O.

 

Hallo Herr Oelke!

Danke für Ihren Kommentar.

Ich verstehe Ihre Argumente wohl, finde aber eben nach wie vor, dass solch ein Artikel auch Leser abschrecken wird, die in dem Westernzirkus hierzulande den Überblick verloren haben. Die auf der Suche sind nach einem System, wo man sich (von mir aus auch manchmal nur vordergründig) in jedem Fall ein „pro Pferd" auf die Fahne schreibt. Einen guten Trainer zu finden, ist immer noch – und heute noch viel mehr als je zuvor – eher ein Drama als ein Spaß. Und ich habe den Eindruck, dass in der Westernszene es mittlerweile weitaus gruseliger zugeht, als z. B. bei den FN´lern. Solche Zeiten sind immer genau die, wo Randgruppen mit tollen Versprechungen richtig „Gewinn" machen können. Aber ich glaube an den Leitsatz: Qualität setzt sich durch.

Ich weiß, dass gutes Equipment schwer zu bekommen ist (ich spreche jetzt immer von Deutschland) und dass es kaum jemanden gibt, der Gebrauch und Merkmale richtig erklären kann. Klar gibt’s ebenso wenige, die damit auch gut reiten können. Aber es gibt auch verdammt wenige "normale Westernreiter/Trainer", die genügend Horsemanship und auch Talent zum Lehren mitbringen, um den Freizeitreiter von heute glücklich zu machen (ICH bestimme, wo ich hinwill, ICH suche mir die Leute aus, die mich meiner Meinung nach bestmöglich fördern dabei. Ich kann irren und ich muss lernen) . Mir fällt bei Ihren (und auch reichlich anderen) Artikeln immer auf, dass viel zu wenig Augenmerk darauf verwendet wird, wie sehr der Mensch geschult werden muss. Jeder spricht immer nur von dem Pferd, was bis dahin dasunddas können muss etc. Vielleicht sind Sie da ein bisschen betriebsblind geworden über die Jahre. Aber solche Sätze wie „Es ist keine Tugend, länger als nötig zu brauchen… Es ist ein Armutszeugnis…" sind motivationstechnisch derart destruktiv… also echt. Mir fällt auf, dass heutzutage „üben" echt out zu sein scheint. Gibt ja auch genug Gebisse zur Auswahl, um das Üben abzukürzen... oder man wechselt halt den Trainer oder den Zossen, denn an einem selber kanns ja nicht liegen… Ich habe zig „normale" Westernreitkurse besucht in x Jahren. Mir hat das nicht geholfen. Und von einem dieser ganz tollen Westerntrainer bin ich zurückgekommen als eine einzige Verspannung (körperlich) und mit einem sauren Pferd. Da war „zero progress" zu verzeichnen, und dazu wurde ich mit einem eher beleidigenden Kommentar verabschiedet, der sicher gar nicht so schlimm gemeint war, aber für mich ein „no-go" im Umgang mit Kunden ist (jawohl, das bin ich nämlich auch…). Ich ha­be ebenso zig Reitkurse „kalifornischer Art" be­sucht, und habe bei einem sehr namhaften „Californio" der alten Garde (USA) ein Sammelsurium an konventionell deutsch-western „geschulten" Leuten gefunden, die vor allem keine Ahnung von Horsemanship haben. Es gab nicht genügend Interessenten aus der Hackamore-Reiterei, und so wurde ein wirklich guter Amerikaner, der sicher mehr zu bieten hat, dazu verurteilt, zwei Tage Schenkelweichen zu üben mit Leuten mit Twisted Wire-Gebissen an ihren Pferden und anderen „Hilfsmitteln". Diese Reiter waren gar nicht wirklich am Californio-Stil interessiert oder vorgebildet, es waren eben „normale Westernreiter", die kamen wegen des guten Namens des Mannes.

Für mich ist es ganz klar: Wenn die Westernreiterei  in den USA und eben auch hier ein transparentes System und eine menschenfreundliche und pferdefreundliche Lernsituation zu bieten hätte, dann würden sich „Abarten" gar nicht so entwickeln können (Qualität setzt sich durch…). Es ist daher einfach „den Esel von der falschen Seite aufgezäumt", an den Randgruppen herumzuschimpfen. Und wenn Sie sich dann auch noch auf einen Trainer und einen Artikel in einem fernen Land beziehen…wo bleibt denn da der Mehrwert für mich als Leser? Bei mir bleibt doch nur hängen: Hackamorereiterei bremst mich aus, ist eh mist und ergibt keine „gute Ausbildung" (free for interpretation…).

Tut mir leid, aber ich finde das destruktiv, wohingegen eine Zeitschrift doch eher motivieren soll, beratend helfen kann und z. B. Positivbeispiele beleuchten kann? Warum nicht mehr Trainerportraits? Kursberichte? Finde ich viel zu wenig in Ihrer Zeitschrift.

Antwort:

Für die von Ihnen Angesprochenen, die auf der Suche nach einem System sind, wo man sich auf jeden Fall ein „pro Pferd" auf die Fahne schreibt, ist nicht automatisch jemand der Richtige, der vorgibt, kalifornisch zu reiten. Das sind nur Etiketten. Letztlich kommt es nur darauf an, wie jemand im einzelnen vorgeht, wieviel Rücksicht er nimmt, wie sehr sein Programm auf der Natur des Pferdes basiert, wieviel Gefühl und Erfahrung er hat, unabhängig davon, welches Etikett er sich umhängt. Die von Ihnen angesprochenen Ratsuchenden und auf der Suche sich Befindenden werden das kaum beurteilen können und sich höchstens ggf. an groben Dingen stoßen. Wenn solche wegen des „Etiketts" auf etwas hereinfallen, nur weil es als „kalifornisch" deklariert ist und darum „gut sein muss", wäre das fatal. Natürlich kann jemand pferdegerecht trainieren, der sich, sagen wir einmal, kalifornisch orientiert. Aber genauso kann das auch bei jemandem der Fall sein, der eine andere Vorliebe hat. Ein guter, einfühlsamer „Englischreitlehrer" kann eine bessere Hilfe sein als ein Möchtegern oder gar Abzocker, der mit Kreissäge auf dem Kopf und Spade Bit und allen anderen einschlägigen Ausrüstungsgegenständen herumzieht.

Bei all dem ist es legitim, eine Vorliebe für das kalifornische Equipment zu haben und auch, entsprechend reiten zu wollen, soweit das heute noch möglich ist. Das alles hat nichts mit dem eigentlichen Thema des Artikels bzw. meines Kommentars zu tun. Da ging es einfach nur darum, dass es mir auf den Keks geht, wenn Leute damit prahlen, wie lange sie für die Ausbildung brauchen, und dass sie dann auch noch so tun, als würden sie bessere Resultate erzielen. Den Beweis für letzteres hat noch keiner erbracht. Und es ging darum, dass ich Leute kritisch machen will und vor solchen warnen möchte, die doch nur etwas vorgaukeln.

Dass es schwer ist, einen guten Trainer zu finden, ist mir nicht neu. Deshalb würde ich jedem raten, bei ihm zu bleiben und sich glücklich zu schätzen, wenn man einen gefunden hat, egal, ob er „kalifornisch" auf seine Fahne geschrieben hat oder sonstwas.

Meine Bemerkung bezüglich des Equipments zielte darauf ab, dass es vielfach mit mangelnder Kenntnis und Praxisnähe gefertigt wird, und da spreche ich von amerikanischem Zeug, was wir ja hauptsächlich importieren. So sehen

Spade Bits durchaus wie Spade Bits aus, aber wenn man sich alte Museumsstücke ansieht, dann sieht man auch, dass die heutigen Spade Bits ein ganz anderes Verhältnis haben von Oberbaum zu Unterbaum, dass sie viel mehr Hebelwirkung haben. So wurde aus einem Signal-Bit ein Kraft-Bit. Bosals werden produziert, die von der Größe her den meisten Westernpferden nicht passen, die Zügel werden ohne Ketten angeboten bzw. benutzt usw...

„Mir fällt bei Ihren (und auch reichlich anderen) Artikeln immer auf, dass viel zu wenig Augenmerk darauf verwendet wird, wie sehr der Mensch geschult werden muss."

In der Richtung haben wir schon einiges veröffentlicht, aber Sie haben Recht: in jüngerer Zeit wohl nicht. Es ist für uns immer eine Gradwanderung – auf der einen Seite darf es nicht hei­ßen: Denen fällt auch nichts Neues mehr ein, auf der anderen Seite gibt es immer wieder neu Hinzukommende, für die Altes neu aufbereitet werden muss.

„Ich habe zig "normale" Westernreitkurse besucht in x Jahren. Mir hat das nicht geholfen."

Nun, das finde ich dann doch bemerkenswert. Es ist für mich kaum vorstellbar, dass ein guter Kurs nicht weiterbringt, egal, unter welcher Fahne er läuft.

„Es ist daher einfach ... an den Randgruppen herumzuschimpfen" – Mein Kommentar war kein Herumschimpfen an einer Randgruppe; er war ein Sich-Wehren gegen die Borniertheit eines Gurus einer Randgruppe. Wenn wir sie denn so nennen wollen. Und wenn Sie nach dem Mehrwert für Sie als Leserin fragen, weil es sich um einen Trainer und einen Artikel in einem fernen Land handelte, dann muss ich Ihnen sagen, dass die Publikationen der AQHA auch in Deutschland gelesen werden und darum auch hier ihre Relevanz haben und dass die weichgespülten Faselheinis nicht auf Amerika beschränkt sind.

Ich verstehe aber absolut nicht, dass aufgrund meines Kommentars bei Ihnen nur hängenbleibt: „Hackamore-Reiterei bremst mich aus, ist eh Mist und ergibt keine ‘gute Ausbildung’“ – meines Erachtens gibt mein Kommentar das überhaupt nicht her. Eine Ausbildung ist nicht deshalb gut, weil sie mit der Hackamore durchgeführt wurde, aber eine Hackamore-Ausbildung kann selbstverständlich gut sein. Ebenso kann eine im Snaffle Bit gut oder schlecht sein...

Wenn Sie sagen, Sie fanden das destruktiv, und eine Zeitschrift sollte eher motivieren und beratend helfen, dann muss ich das akzeptieren und hinnehmen. Nun ist es aber auch nicht so, dass wir permanent destruktive Artikel bringen. Ab und zu muss man aber auch mal meckern bzw. auf Missstände hinweisen. Mir tun ganz einfach Leute leid, die aufgrund irgendeines Etiketts Jahre verlieren oder Leuten Geld in den Rachen werfen, weil sie auf irgendeinen Leim gegangen sind. Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Sich dem kalifornischen Ausbildungsweg zu verschreiben, ist kein solcher Leim; sehr wohl aber, ihn für heilsbringend zu halten. Ebenso, etwas für besser zu halten, nur weil es lange dauert.

Dazu darf ich noch sagen, dass ich ja auch als glühender Verehrer der kalifornischen Reiterei begonnen habe. Und mein Interesse dafür und Vorliebe für das Equipment besteht immer noch. Im Laufe eines langen Reiterlebens hat man aber gelernt, vieles differenzierter zu sehen und zu relativieren, hat überhaupt vieles an Informationen zusammengetragen und dazu eigene Erfahrungen gemacht. Schon Anfang der 70er Jah­re, als ich angefangen habe, hat es im Show-Zirkus an der Westküste niemanden mehr gegeben, der das Hackamore Training auf die klassische Art beherrschte oder praktizierte. Mein erster Besuch in Californien 1975 war diesbezüglich eine einzige Enttäuschung. Es mag außer Ed Connell noch ein paar Oldtimer gegeben haben, die zumindest das Wissen hatten, aber sie traten nicht an die Öffentlichkeit. Erst recht gibt es heute niemanden mehr, der das authentisch tun könnte. Wenn Sie darum von einem „namhaften ‘Californio’ der alten Garde“ schreiben, dann war auch das zwangsläufig jemand, der die eigentliche alte Garde nur vom Hörensagen kennt.

Was heute gern als kalifornisches Reiten bezeichnet wird, ist nur ein Traum, der auch eine ganz andere Bezeichnung haben könnte, wenn man das Equipment außen vor lässt. Dazu kommt, dass das Vaquero-Reiten untrennbar mit der Rinderarbeit verbunden ist, einer ganz speziellen sogar, und auch, dass die Art und Weise der Ausführung des Reined Works heute als unerwünscht oder unschön gilt – keine flachen, sondern gesprungene Spins, aufgerichtete Pferde, kaum Slack in den Zügeln…

„Worth the Wait?" – Das war ja die Überschrift des Artikels, um den es ging (das Fragezeichen war von mir). Die Frage bleibt: Was, bitte schön, ist es nun genau, das eine so lange Wartezeit wert ist?

H.O.

 

Mir fällt auf, dass nirgends konkretisiert wird, was gemeint ist mit einer „unnötig langen Ausbildung".

Petra Kleinwegen

Antwort: Das muss auch nicht konkretisiert werden – es dauert so lange, wie es dauert. Jeder kann und sollte sich so lange Zeit nehmen, wie nötig ist, um sein Pferd so weit wie möglich auszubilden. Wie lange das dauert, hängt vom Talent und der Kooperationsbereitschaft des Pferdes ab, von seiner physischen Verfassung, von den Trainingsbedingungen und nicht zuletzt von den Fähigkeiten des Reiters (s. auch den Artikel „Es dauert so lange, wie es dauert“).

Natürlich gibt es Erfahrungswerte, aber es geht überhaupt nicht darum, eine Zeitdauer festzulegen. Es geht nur darum, dass eine Vorgehensweise nicht nur darum besser ist als eine andere, weil man besonders lange dafür braucht. Es geht darum, dass man sich nicht auf ein Podest stellen sollte, weil man sich nach starrem Schema soundsoviel Jahre für dies oder das verordnet, dass man sich nicht als besser hinstellen sollte als andere, die nach Gefühl, Augenmaß  und Erfahrung arbeiten und möglicherweise eher zum Ziel kommen.

Wenn es heißt:Worth the Wait – das Warten lohnt sich, dann muss das Lohnende ja in irgendwas bestehen. Es kann ja nicht darin bestehen, dass das Pferd am Ende von drei Jahren auch nicht besser ist als eins, das in zwei Jahren genauso gut zum Ziel gebracht wurde. Das ist nichts Lohnendes, das nennt man normalerweise Vergeudung. Keiner muss sich schämen, weil er drei Jahre gebraucht hat. Es braucht sich aber auch keiner als schlechter hinstellen lassen, der dasselbe nach nur zwei Jahren erreicht hat. Denn:Wo sind sie, die Produkte der vieljährigen Ausbildung, welche die anderen in den Schatten stellen, so dass man sagen könnte: Das hat sich wahrlich gelohnt, dass da ein oder zwei Jahre mehr investiert wurden?

Zum Thema DQHA-Abstimmung:

Wir erleben zur Zeit eine sehr intensive Tierschutz- Diskussion. Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass sich so viele Menschen  um die Tiere und in diesem Falle besonders um  unsere „geliebten Rösser“ sorgen und auch politische Entscheidungen und Ent­wicklungen in dieser Richtung aufmerksam verfolgen. Vor dem Hintergrund dieser hochemotionalen Thematik versprechen spektakuläre  „Headlines“ (und teilweise auch Berichterstattungen) zwar eine hohe Aufmerksamkeit bei der potentiellen Leserschaft, verzichten aber leider häufig auf sachlich informelle Objektivität!

Konkret ging es bei diesem Antrag darum, das Quarter Horses nicht mehr DQHA Futurity/Maturity startberechtigt sein sollten, wenn sie schon einmal irgendwo auf der Welt zweijährig bei einem Turnier (nicht nur AQHA) geshowt wurden.

Abgesehen davon, dass kurz vorher ein Antrag verabschiedet worden war, der Futu­rity/Maturity-Starts von Importpfer-den in Zukunft ohnehin ausschliesst, wäre für diese „Übergangszeit“ eine vollkommene Kontrolle und Research dieser Vorgabe nahezu unmöglich gewesen. Aber selbst wenn der Verband diesen zeitlichen und finanziellen Aufwand übernehmen würde, wäre es schwer, das Ergebnis tatsächlich zu garantieren.

Was würde passieren, wenn nachgewiesen würde,  dass ein mittlerweile fünfjähriges importiertes Pferd schon einmal drei Jahre vorher bei einer County Fair  im Osten Nord Dakotas geshowt wurde und dieser Start „übersehen“ worden wäre? Laut dem dann entstandenen Regelwerk müsste dann der Titel samt Preisgeldern rückwirkend  aberkannt, zurückgefordert und neu aufgeteilt werden.

Der bürokratische Aufwand wäre schlichtweg unrealistisch!

Der Tierschutz ist auch bei der DQHA ein intensiv diskutiertes Thema und wird sehr ernst genommen! Die DQHA hat bisher keine Reitklassen für Zweijährige ausgeschrieben und wird das auch in Zukunft nicht tun!

Markus Rensing, DQHA-Zucht-Obman